Hier gibt es Ergebnisse zu sehen: Speziell die des Fragebogens, aber auch die Hauptaspekte aus den Interviews und Gesprächen verständlich zusammengefasst.

Ergebnisse Fragebogen

100 Jugendliche hauptsächlich aus den ländlichen Bereichen in Rheinhessen und der Pfalz haben an der Fragebogenaktion der Landjugend RheinhessenPfalz teilgenommen.

Es zeigte sich, dass viele Jugendliche gar nicht wissen, wie und ob sie sich zum Beispiel in ihrer Gemeinde einbringen können. Bei den Fragen zum Leben in ihrem Ort gingen die Wünsche zum einen dahin, dass sie sich einen eigenen Raum für die Landjugend wünschen, aber auch, dass es zu wenig Sportmöglichkeiten gibt. Eine gewisse Unzufriedenheit mit Politikern vor Ort war auch zu sehen. Allerdings: die Jugendlichen, die in ihrer Gemeinde mitbestimmen, taten dies zum zeitpunkt unserer Umfrage vor allem über Jugendparlamente und die Verbandsarbeit.

Ergebisse der Tischkussion

Knapp 30 Landjugendliche aus ganz Rheinland-Pfalz nutzten die Möglichkeit, mit Abgeordneten aus Land- und Bundestag, Mitarbeitern vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, sowie einer Vertreterin der Landfrauen Rheinhessen Standpunkte zu verschiedenen Themen zur Zukunft des ländlichen Raumes in Mainz zu diskutieren.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die damalige Vorsitzende der Rheinhessisch-Pfälzischen Landjugend Heidrun Hiestand und den Vorsitzenden der Landjugend Rheinland-Nassau Arno Billen stellten einige Landjugendliche konkrete Problemstellungen aus ihrem täglichen Leben vor. Diese Inputs dienten dann an den drei verschiedenen Tischen als Gesprächseinstieg für interessante Diskussionen zwischen Jugendlichen und Politikern. Grundlage für alle Gespräche war das von der Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände Rheinland-Pfalz verschickte Positionspapier zur Zukunft des ländlichen Raumes als Lebens- und Bleibeperspektive für junge Menschen.

Neben dem „geistigen“ Stoff war aber auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. An den Gesprächstischen wurden von Mitgliedern der Landjugendgruppe Guntersblum kleine Köstlichkeiten zum Essen und Trinken serviert. Die Snacks und Getränke kamen natürlich alle aus Rheinland-Pfalz und waren von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände mitgebracht worden. Jetzt konnte „tischkutiert“ werden.

Am Tisch zum Thema „Ländlicher Raum“ eröffnete Christoph Sommer, Jungwinzer aus Hambach, die Diskussion mit einer Problematik aus seiner Landjugendgruppe: „Wir haben seit Jahren Probleme mit Nachbarn bei der Veranstaltung unseres Weinfestes; auf der einen Seite sollen und wollen wir Jugendliche und junge Erwachsene an die Brauchtumspflege heranführen, auf der anderen Seite soll das möglichst lautlos und unauffällig geschehen – und das ist nicht immer im Interesse der Jugendlichen“, so Sommer. Konkret hatten sich Nachbarn über die Lautstärke der Musikveranstaltungen im Rahmen des Weinfestes beschwert, und bisher war jeder Versuch eines Kompromisses gescheitert. „Ich verstehe Ihr Problem“, so Gustav Herzog, MdB –„aber natürlich können wir als Gesetzgeber nicht jeden Einzelfall durch neue Gesetze regeln.“ Er plädiere dafür, weiter auf die Nachbarn zuzugehen und trotz aller Schwierigkeiten nach Lösungen zu suchen.

Große weitere Themen waren das Thema „Flächenverbrauch“ im Ländlichen Raum und der demografische Wandel mit seinen Auswirkungen auf die Dörfer in Rheinland-Pfalz. Verschiedene Aspekte wurden diskutiert: Prof. Lorig, MWVLW sieht in der Dorfkern-Revitalisierung eine wichtige Steuerungsaufgabe von Seiten des Landes: „Wir müssen aufhören, ständig neue Flächen durch die Ausweisung immer neuer Neubaugebiete zu verbrauchen, wenn gleichzeitig Dorfkerne leerfallen“, so Prof. Lorig. Politisch-steuerliche Anreize, Dorfkerne zu revitalisieren, seinen geeignete Steuerungsinstrumente. Diese Ansicht, die im Übrigen auch die Ansicht der Landjugend ist, wird auch von Günther Eymael, MdL, geteilt: „Dort, wo erheblicher Leerstand zu erwarten ist, muss gegengesteuert werden“. „Allerdings, so Prof. Lorig weiter: „Jedes Dorf braucht sein eigenes Modell für die Bewältigung dieses Problems – das Land kann z.B. in Form eines Wettbewerbes zur Dorfinnenentwicklung gute Beispiele prämieren und damit bekannt machen.“  Gerade für die Landwirte sei der Flächenverbrauch zur Zeit ein größeres Problem, so Marcel Müller, stellvertretender Landesvorsitzender der Landjugend und Landwirt aus Körborn. „Die Flächen für unsere landwirtschaftlichen Betriebe werden in einigen Regionen knapp; diese Knappheit verhindert ein weiteres Wachstum“. Deshalb müsse auch über eine stärkere Kooperation der Gemeinden bei der Ausweisung von Gewerbegebieten  nachgedacht werden.

Einig waren sich alle am Tisch, dass die Versorgung der ländlichen Räume mit Hochgeschwindigkeitsnetzen zum Datentransfer rasch ausgebaut werden müsse, was z.T. ja schon durch gerade aufgelegte Bundes- und Landesprogramme gefördert wird.

Am Tisch Jugendpolitik diskutierten die Landjugendlichen unter der Moderation von Ute Fleischmann mit Ute Granold, MdB, Dorothea Schäfer, MdL, Clemens Hoch, MdL und Thorsten Wehner, MdL.

Führerschein mit 17 war das erste Thema. Problematisch wird von Jugendlichen gesehen, dass ältere Geschwister trotz jahrelanger Fahrpraxis oftmals nicht als Begleitperson in den Führerschein eingetragen werden können. Neben anderen Vorraussetzungen müssen diese momentan mindestens 30 Jahre alt sein. Dies beschränke die Auswahl der möglichen Begleitpersonen erheblich, v.a.. wenn beide Elternteile berufstätig sind, so Melanie Wolf aus der Landjugend RheinhessenPfalz. Die Landjugendlichen machten darauf aufmerksam, dass gegenüber einem „normalen“ Führerschein Mehrkosten für junge Leute anfallen. Dies war bislang den anwesenden Politiker/innen nicht bekannt. Sie sicherten zu, die Sachlage nochmals zu prüfen.

Die Situation der Schülertransporte wurde von Thomas May, Vorstandsmitglied der Landjugend Rheinland-Nassau, anschaulich präsentiert. Neben der Wirtschaftlichkeit seien auch weitere Faktoren zu beachten, appellierten die Landjugendlichen an die Politik. Insgesamt sei die Situation im Öffentlichen Personennahverkehr unbefriedigend. Lange Wartezeiten, überfüllte Busse, Unpünktlichkeit, nicht vernetzte Verkehrsverbünde und zu wenig eingesetzte Busse machen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zunehmend unattraktiver. In diesem Punkt stimmte die Politik ebenfalls den Landjugendlichen zu, dass es notwendig sei, diese Thematik erneut auf die Agenda zu nehmen.

Ausgiebigst wurde die geplante Zusammenlegung von Hauptschulen und Realschulen in Rheinland-Pfalz sowie das Bildungssystem erörtert und von verschiedensten Seiten beleuchtet. Kontrovers wurden sowohl auf Seite der Landjugendlichen als auch auf Politikerseite die Zusammenlegung von Schulen, die Sicherung von Standorten und die Anforderungen an das Lehrpersonal diskutiert. Insgesamt sei zu beobachten, dass die Lehrerinnen und Lehrer zunehmend Versäumnisse im Vorfeld aufzufangen haben. Eine Einigung aller Positionen war hinsichtlich des geforderten Betreuungsschlüssels möglich. Kleinere Klassen sowie ein verstärkter Einsatz von Sozialpädagog/innen an Schulen wird von allen als notwendig erachtet. Zusätzlich ist eine inhaltliche Diskussion mindestens genau so wichtig wie eine Strukturdiskussion.

Die Akzeptanz von Jugendlichen und ihren Veranstaltungen, die teilweise schon eine große Tradition haben, wurde als weitere Schwierigkeit für das ehrenamtliche Engagement thematisiert. So gebe es z.B. vermehrt Beschwerden über Lärmbelästigung bei Feten, die ins Dorfleben seit Jahrzehnten integriert seinen. Hier bekamen die Jugendlichen den Tipp, diese Feste als Traditionsveranstaltung des Ortes anerkennen zu lassen, um somit eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Insgesamt bescheinigten die Politiker/innen die Beobachtung, dass weniger Akzeptanz in der Gesellschaft gegenüber den Interessen von Kindern und Jugendlichen vorhanden sei. Hier gelte es gegenzusteuern.

Neben diesen Themen wurden an einem anderen Tisch die Agrar- u. Weinbauthemen diskutiert.

Abschließend konnten alle Beteiligten feststellen, dass die angenehme Verbindung von leiblichen Genüssen mit inhaltlicher Diskussion auf jeden Fall wiederholt werden sollte. Die Erfahrung, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und sehr wohl etwas bewirken können, wenn sie auf politischer Ebene vorgebracht werden, war für die beteiligten Landjugendlichen sehr wertvoll.  Mit den Worten „Uns allen liegt die Zukunft des ländlichen Raumes am Herzen und wir wollen uns aktiv dafür einsetzen, dass unsere Interessen vertreten werden“, fasste Stefan Braunewell, Vorsitzender der Landjugend RheinhessenPfalz die Veranstaltung zusammen.

Zusammenfassung

Ziel der Landjugend ist es, sich im Interesse junger Menschen vom Land einzusetzen. Das Projekt www.jugend-A.DE bot die Möglichkeit, die eigene Sichtweise aufzuzeigen. Es wurden Meinungen in Interviews, Fragebögen und auf der Landjugend-Homepage kund getan.

Ziel war es, provokativ auf die Suche nach den Lebensvorstellungen und Wünschen von Kindern und Jugendlichen zu gehen.

Im folgenden sind die wichtigsten Aspekte herausgegriffen, es dreht sich um die Bereiche Infrastruktur, Beteiligungsmöglichkeiten, Jugendraum und die Arbeits- und Ausbildungsplatzsituation.

Zitat: ”Mich nervt die schlechte Busverbindung von Mainz nach Mommenheim, wenn ich am Wochenende weggehe muss ich am Ende meist doch jemand anrufen, der mich dort abholen muss!”

Wir sind der Meinung, dass eine intakte Verkehrs-Infrastruktur bis in die kleinsten Dörfer von Rheinland-Pfalz gerade für Jugendliche notwendig ist. Wir brauchen einen ÖPNV, der sich am tatsächlichen Bedarf der Jugendlichen orientiert. Gutes Beispiel hierfür sind Nachtbusse am Wochenende. Die Landjugend plädiert dafür den ÖPNV auf dem Land zu erhalten und weiter auszubauen. Besonders kritisch sehen wir die geplante Privatisierung der Deutschen Bahn. Hier besteht die Gefahr, dass gerade im ländlichen Raum erhebliche Einsparungen und Schließungen von Verkehrsstrecken vorgenommen werden.

Zitat: “Mir gefällt es hier, ich finde es schön auf dem Land zu wohnen und fühle mich meinen Ort verbunden, außerdem genieße ich die Ruhe und es ist hier nicht so stressig wie in der Stadt!“

71 Prozent der befragten Jugendlichen wollen später einmal in ihrem Ort wohnen bleiben. Für Ausbildung und Studium besteht die Bereitschaft und Neugier für einen bestimmten Zeitraum auch woanders zu leben. Viele Jugendlichen würden gerne in ihrer Region eine Ausbildung machen, wenn die Möglichkeit dazu bestünde.

Wir sind der Meinung, dass Lebe- und Bleibeperspektiven eng mit vorhandenen Arbeits- und Ausbildungsplätzen verbunden sind. Hier ist die Politik gefordert die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört für uns beispielsweise der flächendeckende Zugang zu modernsten Telekommunikationstechnologien und die Förderung mittelständischer Unternehmen. Hier werden die meisten Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt.

Zitat: ”Mich nervt, dass Jugendliche oft übergangen werden, was die Politik betrifft!”

Wenn Jugendliche an politischen Entscheidungen teilhaben, geschieht dies meist über Jugendparlamente oder die Jugendverbandsarbeit. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit ihre Meinung einzubringen. Jugendliche fühlen sich ernst genommen, wenn sie direkt nachverfolgen können, dass ihre Anliegen in die politischen Entscheidungen vor Ort einfließen. Der persönliche Kontakt zwischen Politikern und Jugendlichen ist sehr wichtig für ein gutes Miteinander. 40% der Befragten gaben an, nicht zu wissen, wie man als Jugendlicher in der Gemeinde mitbestimmen kann. Wir sind der Meinung, dass Landjugend hierfür eine geeignete Plattform bietet und genutzt werden muss.

Zitat: “Mich nervt, dass die Landjugend keinen eigenen Raum hat“

Obwohl 64 % der Befragten Jugendlichen einen Jugendraum in ihrer Gemeinde haben, vermissen Sie einen Platz zum Treffen ohne direkte Aufsicht Erwachsener. Es ist noch immer so, dass nicht alle Landjugendgruppen einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt bekommen. Wir sind der Meinung, dass Jugendliche einen attraktiven Ort zum Treffen, austauschen und ausprobieren brauchen. Hierzu zählen Jugendräume, Sportplätze und attraktive Kinderspielplätze. Dies schafft Gemeinschaft und gibt die Möglichkeit Verantwortung für den eigenen Ort zu erlernen und zu übernehmen.